Dates:

Hayan Kam Nakache, Alan Schmalz,
Ida Ekblad and Mathis Pfäffli
at Up State, Zurich

Opening:
11.4.15
8pm

Spotlight pencil on paper, circa 130cm × 180cm
2014

Von Jetzt An Ist Alles Neu
Von Jetzt An Ist Alles Neu
installation, dimensions variable
Südpol
, Lucerne
2012
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Attache, Adapt, Reflect, Mirror
m35, Lucerne
summer, 2014
Caveinstallation, dimensions variable
collaboration with Nadine Gerber
Chicago, 2012


Bist du noch da? Wo sind wir denn jetzt?

Ein wenig erinnert mich dieser Ort, wo wir uns gerade befinden, an einen Skulpturenpark im Norden Dänemarks den ich vor Jahren mit Timo besuchte. wir waren siebzehn und rauchten Zigaretten auf der offensichtlich den Faschismus feiernden Kunst. Nur wenig Leute wussten von diesem Ort und als wir ihn damals besuchten waren da nur weidende Schafe zwischen den Betonfiguren. Es gab zwischen den Werken kleine Wege, diese schienen aber eher von Tieren als von Menschen angelegt. Die Pflanzen hatten eine grüne Farbe, jedoch nicht ein saftiges Grün, sondern diesen trockenen und zähen Ton wie ich ihn aus Griechenland oder Italien kenne. Die Atmosphäre war freundlich, und doch konnte jederzeit ein Wind aufkommen, der einem die trockene Erde gleich einem Sandsturm in die Augen blies und sich in den Büschen verfing. Auch letztes Mal schien doch die Lieblichkeit nur trügerisch. Nicht?

Wir zwei befanden uns da doch an diesem Küstenstrich vermutlich irgendwo im Süden. Unser Spaziergang führte entlang einer hohen Kalksteinklippe, wo man durch die herunterhängenden Büsche kleine dunkelblaue Buchten erkannte und die hellen Klippen darin in der Tiefe versanken. Der Fels war gräulich und von verschiedenfarbigen Flechten überzogen, wenn man genauer hinsah, bemerkte man, dass er nicht kantig war wie man das von den Felsen auf Capri oder der Normandie kennt. Viel eher schien er aus einer zähen Masse künstlich erstellt geworden zu sein, tatsächlich erinnerte seine Struktur an geflossenen Gips—wie eine Wand aus gigantischen in einander gewachsenen Stalagmiten welche durch die Witterung matt gewaschen wurden. Die ganze Szenerie schien sehr komponiert, jede Pflanze war platziert, nichts sah zufällig aus. Trotzdem glaubte man an pure Natur. Der Wind trug eine frische Brise salziger Luft über die hügeligen Weiten, welche sich jenseits der Klippen ins Landesinnere zogen.

Am Morgen jenes Tages waren wir noch weiter im Osten, da sind die Klippen ein bisschen tiefer und man konnte über kleine, in die Felsen gehauene Treppen runter zum Meer laufen, uns war es aber zu anstrengend runter zum Meer und wieder hoch zu steigen. Seit heute früh haben wir sicher schon hunderte dieser Treppen und ebenso hunderte von kleinen Buchten passiert.

Losgelaufen sind wir von einem kleinen Ort, den sich die Menschen entlang einer der breiteren dieser Felstreppen gebaut haben. Das Dorf erinnerte ein bisschen an alte Klippenkloster, an jenes am Udabno zum Beispiel oder die in Meteora. Aber jener Ort war neuer und im Sinne der Moderne gebaut. Schlicht und funktional. Die Dorfstruktur war auch überhaupt keine klösterliche, es bestand aus einzelnen von verschiedenen Bauherren gebauten Häusern. Das Haus zum Beispiel in welchem wir eingeladen waren, hatte die Form eines Ls, wobei die lange Kante waagrecht aus der Klippe ragte und in diesem nicht ganz so steilen Bereich der Klippe zur Hälfte noch vom Fels gehalten wurde. Der kurze Teil ging im Kalk turmartig hoch. Wenn man der Treppe die weiter durch den Ort der Bucht zu führte folgte, musste man unter dem überhängenden Teil des Hauses durchgehen. Über eine schmale geländerlose Treppe und eine ebenso schmale und scharfgeschnittene Tür gelangte man durch den Fussboden in das Entrée. Im Gegensatz zur Fassade welche die gleiche Farbe wie das umliegende Gestein hatte, war innen alles weiss gekalkt. Der Fussboden schien hier die abgeschliffene, weiss gestrichene Klippe zu bilden und strahlte eine angenehme Kühle im Raum. Die Treppe des Eingangs endete mitten im Raum, der auf der rechten Seite fast ganz von einem Fenster begrenzt wurde durch welches man bloss die Weite des Meeres sah. Die wenigen Möbel waren aus dunklem Holz und ebenso schlicht in der Form wie alle Gebäude im Dorf. Ich habe das alles erst mit der Zeit wahrgenommen, denn als wir ankamen war das ganze Haus gefüllt mit Menschen. Es war Deine Idee hierher zu kommen, Freunde von Anderswo hatten dich eingeladen.

Ich fand du sahst gut aus an diesem Tag, durch das Reisen waren wir ein bisschen verbraucht, was dir ausgesprochen gut stand. Auch die anderen Menschen im Haus waren außerordentlich schön. Ich war fasziniert von der Natürlichkeit, die diese Menschen ausstrahlten. Die ganze Szenerie war ungemein ästhetisch.
Erst hatte ich ein bisschen Angst, dass ich mich deplatziert fühlen könnte, da ich niemanden kannte und vielleicht sogar lieber alleine mit Dir den Abend verbracht hätte. Anderswo. Die ganze Situation verschlang mich aber nach kurzer Zeit, so dass ich mich wenig später mit einer Gruppe gerade eben kennen gelernter Freunden auf der Terrasse wieder fand. Immer wieder wurden mir kunstvoll angerichtete Häppchen aus Fisch und Gemüse aus dem Ort gereicht und auf einem Tisch in der Mitte der riesigen Terrasse stand eine Auslage mit gekühlten Getränken die schmeckten wie fruchtiger Weisswein. Wir sassen auf der Mauer und blickten über das Meer. In einer Ecke spielte ein junger Typ elektronische Musik aber die weichen Bässe gelangen nicht bis zu uns, da sie der Wind in die andere Richtung trug.

Eine junge Frau sass an diesem Abend rechts von mir und war, wie die meisten hier, Fischerin von Beruf. Eigentlich aber malte sie. Während sie sich eine Zigarette drehte, erklärte sie mir dass sie seit zehn Jahren jeden Tag einmal das Meer male, und immer noch jeden Tag neues dabei lerne. Wenn sie erzählte blickte sie während des Nachdenkens immer wieder ein bisschen hoch, ein Blick jeweils der vor Kraft strotzte und schon beinahe stur wirkte. Es war mir deshalb ein bisschen unangenehm, wenn ich sie manchmal mit einer Frage unterbrach, ich hatte das Gefühl ständig die falschen Fragen zu stellen. Die Art und Weise wie sie mir von ihren Gedanken erzählte hatte sehr wenig mit einer mir bekannten Gesprächskultur zu tun. Gleichzeitig machte sie den faszinierenden Eindruck sich sehr sicher darüber zu sein, dass sie hier an diesem Ort, in dieser Zeit und auf die richtige Art und Weise lebte.

Diese Sicherheit ist mir bei den meisten Menschen an diesem Ort aufgefallen. Es schien als ob dort keine Alternative existierte und auch niemand nach einer solchen suchte. Vielleicht hat mich diese natürliche Bestimmtheit deshalb so beeindruckt, weil mir dadurch meine eigene Zerstreutheit bewusst wurde. Diese Menschen mussten einen überaus potenten Filter zur Verfügung haben, eine Fähigkeit die mir abhanden gekommen ist oder die ich vielleicht gar nie besass. Es war als ob sie, ähnlich ihrem Dorf, über dem rauschenden Ozean stehen könnten, jede einzelne Welle wahrnehmen könnten, jede einzelne Regung spürten aber trotzdem die Übersicht nie verlören. Du meintest damals, dass du deine Freunde Woanders kennengelernt hättest. Das widerlegte meine Annahme es könnte sich bei diesem Dorf um eine Blase handeln. Orte wo nur Jetzt und Hier existieren, wo es kein Anderswo gibt. Ich hatte aus verschiedenen Quellen von solchen Blasen gehört. Die Existenz solcher Orte fasziniert mich.

If the situation leads to an unknown question
leave footsteps behind

You asked me to tell you about my latest discoveries. At the moment I’m not able to give you a complete report. I got stuck in a nameless place which seems impossible to describe accurately, but I can try to give you an update of how I got here. The place is a valley narrow enough to see all sides of it in each direction. On top it opens up to the sky, provided I’m not hiding in one of the woods that stretch over large parts of the area. A huge rainbow which appeared in the last drips of the nightly rainfall was the first thing I marvelled at this early morning. During night it was alternately rainy or starlit heaven and almost windless. Across the valley In the far south-west I see the mountain. That’s what I can tell you so far, but there’s still more. It might be the vibe up here, the feeling I got all the time which I can hardly define.
So far I haven’t met anybody, only heard noises in the woods. Some sort of screams and sounds that could have been far gunshots, a hunt going on maybe? It made me uncomfortable, since I’m hiding in the bushes like a shy animal.

The place is populated with nomadic subjects, and whimsical plants. It shurely is not an exact country or region, it might be more of a place where multiple realities take place at one moment. Did you ever wonder where your individuals home is to be found? Lately mine got caught in a visualised nothingness, an intersection of my point of view with all other perspectives I’m able to recall everywhere at everytime. Or in other words the place between my eyeball and the place on the reflecting surface, where the lens slightly touches it.

It hasn’t been that long since I stepped out of the plane and ran over the airfield towards the airport building, one or two days only. After that I immediately took the bus into the mountains to one of the last villages reachable by public transport. I already strolled several times up and down the main road of this village on Google Streetview. It’s representation there is surprisingly accurate, everything looked exactly the same in reality and I even recognized the empty shops beeing still the same. It almost felt like I walked right through the screen into reality.
From here it still was at least one day of hiking to the valley. Rumors on the web said that the road was only open for red cross and police forces due to diffuse sources speaking of a planned mass-suicide or a massive rave that might take place up here. The people at the local bar told me the same. Thats why I expected it to be impossible to travel by hitchhiking.

The next two days I needed for the walk over the mountain chain and up the canyon into the valley, always trying to stay unrecognized. Over night I slept in small depressions or bushes in the woods. It was important to see the road to the village on the other side of the canyon since there where patrols of policemen around, during the whole night I’ve seen groups of forces with lights streaking through the bushes.

I wonder what will come up the coming days.

Poem

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If the situation leads to an unknown question
leave footsteps behind

Hayan Kam Nakache, Alan Schmalz,
Ida Ekblad and Mathis Pfäffli
Up State, Zurich
2015

 

MATHIS
 

AT
 

BONUSMATERIAL

CH

 

 

CV